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Ich habe für ALLFORCLIENTS ein Outreach-System gebaut, an dem technisch nichts mehr zu verbessern war. Eine eigene Domain nur für die Kaltakquise, SPF, DKIM und DMARC sauber konfiguriert, damit die Mails sauber ankommen. Dazu eine Multi-Channel-Kampagne in Lemlist aufgesetzt, Kontakte mit Apollo,io und Linkedin Sales Navigator recherchiert. Alles mit Hubspot verknüpft, um alle Nachrichten an zentraler Stelle zu haben.
Das Ergebnis ist schnell erzählt. Es hat nicht funktioniert – weder in eigener Sache noch bei Kunden, für die wir automatisierte Kampagnen nach demselben Prinzip aufgesetzt haben.
An den Werkzeugen allein lag es nicht. Apollo findet Kontakte, und eine KI schreibt in Sekunden eine Nachricht, für die ich früher deutlich länger gebraucht hätte. Dass die Mail überhaupt ankommt, ist dagegen keine Selbstverständlichkeit mehr. Die Spamfilter werden immer besser. Ohne mehrere Domains, saubere Authentifizierung und einiges an Einfallsreichtum landet eine Sequenz schneller im Spam, als der erste Follow-up rausgeht. Das eigentliche Problem liegt aber noch eine Ebene darüber.
Wo KI Pipeline tatsächlich baut
1998, mein erster Job nach dem Studium: Mit drei anderen Sales Analysten saß ich in einem War-Room, vor uns die Liste der größten deutschen Unternehmen und 500 weiße Blätter. Am Ende sollten daraus 500 qualifizierte Accounts werden, mit den relevanten Stakeholdern und neuen Opportunities. Recherchieren, telefonieren, notieren, nachfassen. Das hat funktioniert, vor allem war es Fleißarbeit.
Genau diese Fleißarbeit erledigt KI heute in einem Bruchteil der Zeit. Welche Unternehmen eine bestimmte Technologie einsetzen, lässt sich etwa aus BuiltWith herauslesen. Ergänzt um die Referenzseiten von Partnern und eigene Recherche entsteht daraus eine Account-Liste, wie ich sie so auch für einen Kunden aufgebaut habe. Dubletten finden, Daten anreichern, Kriterien sauber anwenden: Da ist die Maschine schneller und sauberer in der Qualität als jeder Mensch.
Das ist der Teil der Pipeline, bei dem Technologie wirklich hilft. Herausfinden, mit wem sich ein Gespräch lohnt.
Wo sie alles kaputt macht
Der zweite Teil ist die Ansprache, und hier kippt es. Wenn jeder Vertriebler dasselbe Werkzeug nutzt, klingen alle Nachrichten gleich. Der Einstieg mit Bezug auf den letzten LinkedIn-Post, das freundliche Kompliment, die Bitte um fünfzehn Minuten (ich habe selbst schon um zwanzig gebeten). Ein Entscheider bekommt davon genug, um das Muster zu erkennen, bevor er den zweiten Absatz erreicht. Die Personalisierung, die das Tool verspricht, ist am Ende eine Variable im Serienbrief.
Die Branche hat darauf schon eine Antwort gefunden: Signal-Based Outreach. Eine Neueinstellung, eine Finanzierungsrunde, eine Meldung in den News, und schon gibt es einen Gesprächsanlass. Mir haben mehrere Agenturen genau das angeboten. Ich habe keines dieser Angebote weiterverfolgt und das hat einen Grund. Als Rechercheinstrument halte ich Signale für richtig. Ein Softwarehaus, das gerade eine neue Finanzierung erhalten hat, hat ein Thema, über das es sich zu reden lohnt. Als Anlass im Text werden sie aber schnell zur nächsten Schablone. „Glückwunsch zur Finanzierungsrunde“ ist das neue „Ich habe Ihren Beitrag gelesen“ Ein Signal sagt, dass sich beim Empfänger etwas verändert hat. Es sagt nicht, dass er ein Problem hat, das Sie lösen können. Diese Übersetzung bleibt Handarbeit.
Auch die passenden Landinpages und Whitepaper lassen sich mit KI schnell erstellen, aber sind wir mal ehrlich, auch die klingen irgendwie alle gleich.
Dazu kam ein Trugschluss, dem ich selbst aufgesessen bin. Meine LinkedIn-Kontakte ersten Grades sahen aus wie ein warmer Markt. Formal stimmt das auch. Persönlich kenne ich viele dieser Menschen und ihre Unternehmen nicht näher. Eine Vernetzung ist noch kein Anlass für ein Gespräch, und eine KI-generierte Nachricht macht aus einer losen Verbindung keine Beziehung.
Am deutlichsten wurde das bei einem Kunden. Die Linkedin-Nachrichten und E-Mails waren verschickt, der nächste Schritt wäre das Telefon gewesen. Aber es gab keinen, der anrufen wollte. Die Kampagne ist nicht am Tool gescheitert, sondern an der Stelle, an der das Tool aufhört.
Das erinnert mich an 2005. Damals verordnete das Management Cold Call Days, weil die Pipeline nicht voll genug war. Das Ergebnis war ein Desaster, denn eine fehlende Pipeline-Strategie lässt sich nicht mit ein paar angeordneten Telefontagen reparieren. Heute versucht man dasselbe mit Sequenzen, Signalen und KI-Texten. Das Werkzeug ist besser geworden, der Denkfehler ist geblieben.
Für mich ist die Konsequenz klar. KI gehört bei der Pipeline an den Anfang: in die Recherche, in die Auswahl der Accounts, in die Vorbereitung auf das einzelne Gespräch. Die Ansprache selbst gehört einem Menschen, der weiß, warum er genau dieses Unternehmen anschreibt, und der danach auch zum Telefon greift. Automatisierte Massenansprache halte ich inzwischen für einen versperrten Weg, gerade bei Geschäftsführern, die Vertrieb seit Jahrzehnten von der anderen Seite des Tisches erleben. Wer die Zeit, die ihm die Maschine bei der Recherche spart, in noch mehr Nachrichten steckt, macht seinen Markt schneller kaputt, als er ihn aufbauen kann.